Kurz beantwortet
D1S, D2S, D3S und D4S sind eigenständige Bauarten, keine Ausstattungsstufen. Die UN/ECE-Regelung Nr. 99 bezeichnet jede dieser Bezeichnungen als eigene Kategorie mit eigenem Datenblatt und eigenem Sockel: D1S sitzt auf PK32d-2, D2S auf P32d-2, D3S auf PK32d-5, D4S auf P32d-5. Dazu kommt die Nennspannung — D1S und D2S arbeiten laut Herstellerdatenblatt mit 85 V, D3S und D4S mit 42 V. Das S beziehungsweise R am Ende trennt Ausführungen ohne und mit Abschattung auf dem Glaskolben. Welche Kategorie ein Fahrzeug braucht, gibt der Scheinwerfer vor — sie lässt sich nicht wählen, sondern nur ablesen.
Auf dem alten Brenner steht „D2S“, im Onlineshop gibt es aber auch D1S, D2R, D3S und D4S — und die Preise unterscheiden sich. Die naheliegende Vermutung, es handle sich um Qualitätsstufen derselben Lampe, ist falsch. Hinter jedem Code steht eine eigene genormte Bauart mit eigenem Sockel. Die praktische Frage lautet deshalb fast immer: Welcher Brenner passt in meinen Scheinwerfer? Dieser Ratgeber beantwortet sie zuerst — und erklärt danach, worin sich die Kategorien technisch unterscheiden und warum sie sich nicht gegeneinander tauschen lassen.
Was der D-Code bedeutet
Xenon-Brenner erzeugen Licht nicht über einen glühenden Draht, sondern über einen Lichtbogen in einem Gasgemisch unter Druck. Fachlich gehören sie damit zu den Hochdruck-Gasentladungslampen; Hersteller führen sie unter der Technologiebezeichnung HID — OSRAM erläutert die Abkürzung im Datenblatt als „High-intensity discharge lamp“, Philips schreibt „Xenon HID (High Intensity Discharge)“. Das Grundprinzip erklärt ausführlich der Ratgeber Gasentladungslampe & HID.
Für Fahrzeugscheinwerfer ist die maßgebliche Vorschrift die UN/ECE-Regelung Nr. 99 (Amtsblatt der EU L 164 vom 30.06.2010). Sie definiert den Begriff der Kategorie unmissverständlich: Der Ausdruck „Kategorie“ beschreibt darin unterschiedliche Grundbauarten genormter Gasentladungs-Lichtquellen, und jede Kategorie hat eine eigene Bezeichnung — als Beispiel nennt die Regelung selbst „D2S“.
Der Code zerfällt damit in drei Teile:
Wichtig ist der Geltungsbereich: Die Regelung gilt für Gasentladungs-Lichtquellen, die für den Einsatz in genehmigten Gasentladungs-Scheinwerfereinheiten bestimmt sind. Ein Brenner ist also kein frei kombinierbares Bauteil, sondern Teil eines geprüften Systems aus Scheinwerfer, Lichtquelle und Vorschaltgerät.
Den eigenen Typ sicher bestimmen
Es gibt drei belastbare Wege, und alle drei lesen den Typ ab, statt ihn zu erraten:
Stimmen zwei Quellen nicht überein — etwa weil ein früherer Wechsel mit dem falschen Typ erfolgt ist —, entscheidet nicht der vorgefundene Brenner, sondern die Herstellerangabe zur verbauten Scheinwerferausführung; im Zweifel klärt das ein Fachbetrieb anhand von Fahrzeug- und Scheinwerfernummer. Eine Zuordnung nach Fahrzeugmodell nehmen wir hier bewusst nicht vor: Innerhalb einer Baureihe können sich Scheinwerfervarianten unterscheiden, und eine Liste ohne Prüfung am konkreten Fahrzeug wäre keine verlässliche Auskunft.
D1S, D2S, D3S und D4S im Einzelnen
Die folgenden Angaben stammen aus der ECE-Regelung Nr. 99 (Sockel und Bauartkennzeichnung) sowie aus den Produktdatenblättern von OSRAM und Philips (elektrische Werte). Konkrete Lichtstrom-, Farbtemperatur- und Lebensdauerwerte hängen von der einzelnen Lampe und ihrer Serie ab und stehen laut Datenblatt des Herstellers — sie sind keine Eigenschaft der Kategorie.
D1S
D1S führt Anhang 1 der Regelung als „Type with cables“ mit dem Sockel PK32d-2. Das OSRAM-Datenblatt zu XENARC ORIGINAL D1S nennt 85 V Nennspannung und 35 W Nennleistung bei einer Prüfspannung von 13,5 V, als ECE-Kategorie ist D1S eingetragen. Das Sortiment führt die passenden D1S-Brenner als eigene Übersicht.
D2S und D2R
D2S ist in der Regelung „Type with connector“ mit dem Sockel P32d-2, D2R dieselbe Bauart mit dem Sockel P32d-3. Die Nennwerte sind gleich: Das Philips-Datenblatt zur X-tremeVision-Reihe nennt für beide 85 V und 35 W bei 2.500 h Lebensdauer. Unterschiedlich sind dagegen drei Dinge — der Sockel (P32d-2 gegenüber P32d-3), der Lichtstrom (3.200 ±450 lm gegenüber 2.800 ±450 lm) und die Farbtemperatur (5.000 K gegenüber 4.700 K). Dazu kommt die für die R-Kategorien vorgeschriebene Abschattung auf dem Kolben. Der Unterschied betrifft also nicht nur den Glaskolben, sondern auch Sockel und Lichtwerte. Das Sortiment führt beide gemeinsam unter D2S- und D2R-Brenner — die Auswahl erfolgt dort über die konkrete Kategorie.
D3S
D3S ist „Type with starter“ mit dem Sockel PK32d-5. Das OSRAM-Datenblatt zu XENARC COOL BLUE INTENSE (NEXT GEN) D3S nennt 42 V Nennspannung und 35 W. Die Nennspannung liegt damit unter der von D1S und D2S — 42 V statt 85 V. Die zugehörige Übersicht sind die D3S-Brenner.
D4S
D4S ist „Type with connector“ mit dem Sockel P32d-5; das OSRAM-Datenblatt zu XENARC COOL BLUE INTENSE (NEXT GEN) D4S nennt ebenfalls 42 V und 35 W. Gegenüber D3S gilt: gleiche Spannungsebene (42 V, 35 W), aber anderer Sockel (P32d-5 statt PK32d-5) und andere Anschlussart — die Regelung führt D3 als „Type with starter“ und D4 als „Type with connector“. Für D4S gibt es derzeit keine eigene Übersichtsseite — die Brenner dieser Kategorie stehen gemeinsam mit allen anderen unter Xenon-Scheinwerfer.
Neben diesen vier Kategorien führt die Regelung noch weitere, darunter D5S, D6S und D8S sowie die R-Gegenstücke D1R, D3R und D4R. Sie folgen derselben Systematik. Brenner dieser Kategorien stehen, soweit vorhanden, ebenfalls unter Xenon-Scheinwerfer.
Was S und R unterscheidet
Der belegbare Unterschied steht in Anhang 1 der ECE-Regelung Nr. 99: Für die Kategorien D1R, D2R, D3R und D4R gibt es ein zusätzliches Datenblatt mit dem Titel „Position of the black stripes“ — die Lage der schwarzen Streifen. Die Regelung schreibt dort vor, dass die Leuchtdichte im abgedeckten Bereich einen Grenzwert nicht überschreiten darf, und lässt zu, dass die schwarze Beschichtung durch jedes andere Mittel ersetzt wird, das den Lichtdurchtritt im festgelegten Bereich verhindert.
Für die S-Kategorien existiert kein solches Blatt. Kurz gefasst: R-Brenner tragen eine vorgeschriebene Abschattung auf dem Glaskolben, S-Brenner nicht.
Wie stark sich das auswirkt, steht im Datenblatt der jeweiligen Serie und nicht in der Kategorie. Philips gibt für die X-tremeVision-Reihe für D2S einen Lichtstrom von 3.200 ±450 Lumen bei 5.000 K an, für D2R derselben Reihe 2.800 ±450 Lumen bei 4.700 K. Diese beiden Werte gelten für die genannte Serie; ein allgemeiner Prozentsatz für alle R-Ausführungen lässt sich daraus nicht ableiten.
Was die Abschattung bewirkt, lässt sich getrennt nach Quelle sagen: Die Regelung begrenzt den Lichtaustritt in den von ihr festgelegten Bereichen des Glaskolbens. Philips beschreibt die zusätzliche Beschichtung auf dem Außenkolben als Mittel, das bestimmte Bereiche abdeckt, um Blendung zu vermeiden.
Philips ordnet die beiden Ausführungen im Automotive-Katalog zusätzlich den Scheinwerferbauarten zu: Die S-Ausführung wird in Projektionssystemen mit Linse eingesetzt, die R-Ausführung in offenen Reflektoren. Die Regelung selbst trifft diese Zuordnung nicht; sie beschreibt Kategorie, Sockel und Abschattung. Für die Bestellung ist die Frage ohnehin nicht nötig — maßgeblich ist allein, welche Kategorie der Scheinwerfer verlangt.
Die Kategorien im Vergleich
Die Sockelbezeichnungen stammen aus Anhang 1 der ECE-Regelung Nr. 99, die Nennspannungen aus den jeweils genannten Herstellerdatenblättern.
| Typ | ECE R99 | Sockel | Volt | Watt |
|---|---|---|---|---|
| D1S | Type with cables | PK32d-2 | 85 V 1 | 35 W 1 |
| D2S | Type with connector | P32d-2 | 85 V 2 | 35 W 2 |
| D3S | Type with starter | PK32d-5 | 42 V 3 | 35 W 3 |
| D4S | Type with connector | P32d-5 | 42 V 4 | 35 W 4 |
1 OSRAM XENARC ORIGINAL D1S · 2 Philips X-tremeVision D2S · 3 OSRAM XENARC COOL BLUE INTENSE (NEXT GEN) D3S · 4 OSRAM XENARC COOL BLUE INTENSE (NEXT GEN) D4S. Die Nennspannung ist der Betriebswert der Lampe, nicht die Bordspannung des Fahrzeugs.
Die R-Gegenstücke tragen jeweils einen eigenen Sockel — auch das steht in Anhang 1 der Regelung:
| S-Typ | Sockel | R-Typ | Sockel |
|---|---|---|---|
| D1S | PK32d-2 | D1R | PK32d-3 |
| D2S | P32d-2 | D2R | P32d-3 |
| D3S | PK32d-5 | D3R | PK32d-6 |
| D4S | P32d-5 | D4R | P32d-6 |
Warum die Typen nicht austauschbar sind
Aus der Tabelle folgt der praktische Kern: Acht Kategorien, acht verschiedene Sockel. Kein einziger Sockel kommt doppelt vor. Ein D2S-Brenner passt mechanisch nicht in eine D1S-Fassung, ein D4S nicht in eine D3S-Aufnahme — und ein D2R nicht dorthin, wo ein D2S vorgesehen ist.
Die Regelung behandelt Kolben- und Sockelgestaltung ausdrücklich als wesentliches Unterscheidungsmerkmal, „soweit diese Unterschiede das optische Ergebnis beeinflussen“. Genau darum geht es: Ein Scheinwerfer ist als System aus Reflektor beziehungsweise Linse, Lichtquelle und Vorschaltgerät genehmigt. Sitzt der Lichtbogen an anderer Stelle oder fehlt die vorgeschriebene Abschattung, stimmt die Lichtverteilung nicht mehr — mit der Folge, dass andere Verkehrsteilnehmer geblendet werden können.
Auch die Elektrik spricht dagegen. D1S und D2S arbeiten laut Datenblatt mit 85 V, D3S und D4S mit 42 V; dazu kommt die unterschiedliche Anschlussart, die die Regelung mit „with cables“, „with connector“ und „with starter“ benennt. Ein Adapter, der diese Unterschiede mechanisch überbrückt, ändert weder die für den Scheinwerfer vorgesehene Kategorie noch den Nachweis der genehmigten Kombination aus Scheinwerfer, Lichtquelle und Vorschaltgerät.
Steuergerät und sicherer Umgang
Ein Xenon-Brenner arbeitet nie allein. Er braucht ein Vorschaltgerät, das die Lampe zündet und den Strom begrenzt; die ECE-Regelung Nr. 99 bezieht das Vorschaltgerät ausdrücklich in die Genehmigung ein — es wird mit Typ, Marke sowie Nennspannung und Nennleistung gekennzeichnet und gehört zur Prüfung des Systems. OSRAM formuliert in den Produktunterlagen entsprechend knapp: Betrieb nur mit zugelassenen elektronischen Vorschaltgeräten.
Für den Umgang gilt die Herstellerempfehlung: OSRAM weist darauf hin, dass der Wechsel von XENARC-Lampen von einem Fachmann durchgeführt werden sollte, und kennzeichnet die Produkte mit Warnhinweisen zu heißen Oberflächen und gefährlicher Spannung, zum Nichtberühren des Glaskolbens, zur Schutzausrüstung beim Einbau und dazu, das System vor dem Wechsel auszuschalten. Diese Hinweise stehen hier bewusst ohne Einbauanleitung: Zündspannungen im Xenon-System sind kein Bereich für Schritt-für-Schritt-Improvisation.
Ausgediente Brenner gehören nicht in den Hausmüll, sondern zur fachgerechten Sammelstelle — wie das läuft, erklärt der Ratgeber Leuchtmittel richtig entsorgen.
Häufige Fehlannahmen
Häufige Fragen zu Xenon-Brennern
Was bedeutet D1S, D2S, D3S oder D4S?
Es sind vier genormte Kategorien von Gasentladungs-Lichtquellen nach der UN/ECE-Regelung Nr. 99. Das „D“ kennzeichnet die dort geführten Gasentladungs-Lichtquellen, die Ziffer die Grundbauart und der Buchstabe am Ende die S- oder R-Ausführung — ohne oder mit Abschattung auf dem Glaskolben. Jede Kategorie hat ein eigenes Datenblatt und einen eigenen Sockel: D1S PK32d-2, D2S P32d-2, D3S PK32d-5, D4S P32d-5.
Was ist der Unterschied zwischen D2S und D2R?
Beide gehören zur Grundbauart D2, haben aber unterschiedliche Sockel: D2S sitzt auf P32d-2, D2R auf P32d-3. Für die R-Kategorien führt die ECE-Regelung Nr. 99 zusätzlich ein Datenblatt zur Lage schwarzer Streifen auf dem Kolben; die S-Kategorien haben ein solches Blatt nicht. Die Abschattung wirkt sich auch auf den Lichtstrom aus — Philips gibt für die X-tremeVision-Reihe bei D2S 3.200 ±450 Lumen an, bei D2R 2.800 ±450 Lumen; beide Werte gelten für diese Serie.
Kann ich statt D2S einfach einen D1S einbauen?
Nein. D1S nutzt den Sockel PK32d-2, D2S den Sockel P32d-2 — sie passen mechanisch nicht ineinander. Hinzu kommt, dass ein Scheinwerfer als System aus Scheinwerfer, Lichtquelle und Vorschaltgerät genehmigt ist. Eine andere Kategorie verändert die Lichtverteilung und damit die Grundlage dieser Genehmigung.
Worin unterscheiden sich D1S und D3S?
Im Sockel und in der Nennspannung. D1S sitzt auf PK32d-2 und arbeitet laut OSRAM-Datenblatt mit 85 V, D3S sitzt auf PK32d-5 und arbeitet mit 42 V. Die ECE-Regelung führt D1 als „Type with cables“ und D3 als „Type with starter“. Beide Kategorien nennen 35 W Nennleistung.
Wie finde ich heraus, welchen Xenon-Brenner mein Auto braucht?
Am sichersten über den Aufdruck auf dem Sockel des alten Brenners, die Betriebsanleitung des Fahrzeugs und die Angaben am Scheinwerfer. Weichen die Quellen voneinander ab, entscheidet nicht der vorgefundene Brenner, sondern die Herstellerangabe zur verbauten Scheinwerferausführung; im Zweifel klärt ein Fachbetrieb den Typ anhand von Fahrzeug- und Scheinwerfernummer. Eine Zuordnung allein nach Modellname ist unzuverlässig, weil sich Scheinwerfervarianten innerhalb einer Baureihe unterscheiden können.
Brauchen Xenon-Brenner ein Vorschaltgerät?
Ja. Das Vorschaltgerät zündet die Lampe und begrenzt den Betriebsstrom. Die ECE-Regelung Nr. 99 bezieht es in die Genehmigung ein und verlangt eine Kennzeichnung mit Typ, Marke sowie Nennspannung und Nennleistung. OSRAM formuliert für seine XENARC-Lampen: Betrieb nur mit zugelassenen elektronischen Vorschaltgeräten.
Darf ich einen Xenon-Brenner selbst wechseln?
OSRAM empfiehlt, den Wechsel von XENARC-Lampen von einem Fachmann durchführen zu lassen, und weist auf heiße Oberflächen, gefährliche Spannung, das Nichtberühren des Glaskolbens, Schutzausrüstung und das Ausschalten vor dem Wechsel hin. Ob ein Wechsel am konkreten Fahrzeug ohne Demontage zugänglich ist, unterscheidet sich zudem stark je nach Modell.
Wie lange hält ein Xenon-Brenner?
Das steht im Datenblatt der jeweiligen Serie, nicht in der Kategorie. Philips gibt für die X-tremeVision-Reihe sowohl bei D2S als auch bei D2R eine Lebensdauer von 2.500 Stunden an. Andere Serien derselben Kategorie können deutlich abweichen — Serien mit stark erhöhtem Lichtstrom sind häufig kürzer ausgelegt. Ein Vergleich gehört deshalb auf die Ebene des konkreten Produkts.
Welcher Xenon-Brenner ist der hellste?
Das lässt sich nicht über die Kategorie beantworten. Lichtstrom, Farbtemperatur und Lebensdauer hängen von der einzelnen Lampe und ihrer Serie ab und stehen laut Datenblatt des Herstellers. Innerhalb einer Kategorie gibt es Serien mit unterschiedlicher Auslegung — der Vergleich gehört deshalb auf die Ebene des konkreten Produkts, nicht auf die des Codes.
